Anschreiben richtig schreiben: Darauf kommt es an

Wer sich bewirbt, verbringt oft viel Zeit mit dem Lebenslauf. Das Anschreiben wird dagegen häufig entweder als reine Formalität betrachtet oder sorgt für Unsicherheit. Was gehört hinein? Wie lang sollte es sein? Muss man sich selbst besonders gut verkaufen? Und liest das überhaupt noch jemand?

Tatsächlich gibt es auf diese Fragen keine pauschalen Antworten. Während manche Unternehmen stärker auf den Lebenslauf achten, spielt das Anschreiben bei anderen Bewerbungen weiterhin eine wichtige Rolle. Es bietet die Möglichkeit, Hintergründe zu erklären, Motivation zu zeigen und den eigenen Lebenslauf sinnvoll zu ergänzen.

Viele Bewerber machen dabei ähnliche Fehler. Sie kopieren Standardtexte aus dem Internet, wiederholen ihren Lebenslauf oder schreiben möglichst kompliziert, um professionell zu wirken. Genau das führt oft dazu, dass ein Anschreiben austauschbar wirkt.

Wichtiger ist ein klarer, verständlicher Text, der zeigt, warum du dich für die Stelle interessierst und weshalb du gut dazu passt. Worauf es dabei wirklich ankommt, erfährst du in diesem Ratgeber.

Inhaltsverzeichnis:


Was ein gutes Anschreiben überhaupt leisten soll

Das Anschreiben hat eine andere Aufgabe als der Lebenslauf. Während der Lebenslauf Fakten, Stationen und Qualifikationen auflistet, liefert das Anschreiben den Zusammenhang dazu.

Personaler möchten verstehen:

  • Warum bewirbst du dich auf genau diese Stelle?
  • Was motiviert dich für das Unternehmen?
  • Welche Erfahrungen oder Fähigkeiten sind besonders relevant?
  • Warum passt du zur ausgeschriebenen Position?

Ein gutes Anschreiben erzählt deshalb keine komplette Lebensgeschichte. Es konzentriert sich auf die Punkte, die für die jeweilige Stelle wichtig sind.

Statt beispielsweise alle bisherigen Tätigkeiten aufzuzählen, ist es sinnvoller, gezielt auf Erfahrungen einzugehen, die einen Bezug zur ausgeschriebenen Position haben.


Der richtige Aufbau erleichtert das Schreiben

Viele Menschen tun sich schwer mit dem ersten Satz. Oft hilft es, sich zunächst auf die grundlegende Struktur zu konzentrieren.

Ein klassisches Anschreiben besteht meist aus vier Bereichen:

Einleitung

Hier erklärst du, auf welche Stelle du dich bewirbst und warum dein Interesse geweckt wurde. Beispiel: "Die ausgeschriebene Position als Sachbearbeiterin hat mein Interesse geweckt, da ich meine Erfahrung im Kundenservice künftig stärker im administrativen Bereich einbringen möchte."

Hauptteil

Im Hauptteil verbindest du deine bisherigen Erfahrungen mit den Anforderungen der Stelle.

Dabei geht es nicht darum, jede Station zu beschreiben. Konzentriere dich auf die wichtigsten Qualifikationen und Erfolge.

Motivation

Hier erklärst du, warum du genau bei diesem Unternehmen arbeiten möchtest und weshalb die Stelle zu deinen beruflichen Zielen passt.

Abschluss

Zum Schluss kannst du deine Bereitschaft für ein persönliches Gespräch ausdrücken und auf einen möglichen Eintrittstermin eingehen.

Eine klare Struktur hilft nicht nur den Lesern, sondern macht das Schreiben auch deutlich einfacher.


Warum Individualität wichtiger ist als perfekte Formulierungen

Viele Bewerber suchen nach besonders professionellen Sätzen. Das führt oft dazu, dass zahlreiche Anschreiben fast identisch klingen.

Formulierungen wie:

  • Hiermit bewerbe ich mich auf die ausgeschriebene Stelle.
  • Ich bin belastbar, motiviert und teamfähig.
  • Über eine positive Rückmeldung würde ich mich freuen.

sind zwar nicht falsch, sagen aber wenig über die Person dahinter aus.

Deutlich überzeugender sind konkrete Aussagen.

Statt: "Ich arbeite gerne im Team."

könnte man schreiben: "Während meiner Tätigkeit im Kundenservice habe ich regelmäßig mit Vertrieb, Logistik und Buchhaltung zusammengearbeitet, um Kundenanfragen schnell und zuverlässig zu bearbeiten."

Solche Beispiele machen Fähigkeiten nachvollziehbar und glaubwürdig.


Diese Fehler tauchen besonders häufig auf

Viele Anschreiben scheitern nicht an fehlender Qualifikation, sondern an vermeidbaren Schwächen.

Dazu gehören:

  • Standardtexte ohne Bezug zur Stelle
  • Wiederholungen aus dem Lebenslauf
  • Zu lange und verschachtelte Sätze
  • Rechtschreib- und Grammatikfehler
  • Fehlende Motivation für die Bewerbung
  • Zu allgemeine Aussagen ohne Beispiele

Ein weiterer häufiger Fehler besteht darin, das Unternehmen in den Mittelpunkt zu stellen und sich selbst dabei zu vergessen.

Natürlich solltest du zeigen, dass du dich mit dem Unternehmen beschäftigt hast. Das Anschreiben sollte jedoch vor allem deutlich machen, welchen Mehrwert du für die Position mitbringst.


Wie lang sollte ein Anschreiben sein?

Eine der häufigsten Fragen betrifft die Länge.

In den meisten Fällen reicht eine Seite völlig aus. Personaler möchten die wichtigsten Informationen schnell erfassen können.

Als Orientierung gelten:

  • etwa 250 bis 400 Wörter
  • drei bis fünf Absätze
  • klare und gut lesbare Struktur
  • ausreichend Weißraum zwischen den Abschnitten

Wenn du feststellst, dass dein Anschreiben deutlich länger wird, lohnt es sich meist zu prüfen, welche Informationen wirklich relevant sind.

Oft lässt sich ein Text kürzen, ohne dass wichtige Inhalte verloren gehen.


Warum die Stellenanzeige die beste Orientierung bietet

Viele Bewerber überlegen zuerst, was sie über sich selbst schreiben möchten. Sinnvoller ist häufig der umgekehrte Weg.

Lies die Stellenanzeige aufmerksam durch und achte auf:

  • geforderte Qualifikationen
  • gewünschte Soft Skills
  • Aufgabenbereiche
  • besondere Anforderungen

Anschließend kannst du überlegen, welche deiner Erfahrungen dazu passen.

Sucht ein Unternehmen beispielsweise Organisationstalent und Kundenkontakt, solltest du genau diese Aspekte mit konkreten Beispielen aufgreifen.

Dadurch entsteht automatisch ein Anschreiben, das besser zur jeweiligen Stelle passt als jede allgemeine Vorlage.


Worauf es letztlich ankommt

Ein gutes Anschreiben muss weder besonders kreativ noch außergewöhnlich lang sein. Entscheidend ist, dass es nachvollziehbar erklärt, warum du dich bewirbst und weshalb du für die Stelle geeignet bist.

Klare Formulierungen wirken oft überzeugender als komplizierte Fachbegriffe oder auswendig gelernte Standardsätze. Wer die Anforderungen der Stelle versteht und passende Erfahrungen gezielt hervorhebt, hat bereits einen großen Teil richtig gemacht.

Betrachte das Anschreiben nicht als Pflichtaufgabe, sondern als Möglichkeit, den Lebenslauf sinnvoll zu ergänzen. Es bietet Raum für Motivation, persönliche Hintergründe und wichtige Informationen, die in tabellarischer Form oft verloren gehen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Muss jede Bewerbung ein Anschreiben enthalten?

Nicht unbedingt. Wenn ausdrücklich kein Anschreiben verlangt wird, kannst du darauf verzichten. Wird eines gewünscht, solltest du es immer beifügen.

Wie persönlich darf ein Anschreiben sein?

Persönliche Motivation ist wichtig. Private Informationen sollten jedoch nur erwähnt werden, wenn sie einen Bezug zur Stelle haben.

Sollte ich KI für mein Anschreiben nutzen?

KI kann beim Formulieren helfen. Der Inhalt sollte aber immer individuell angepasst werden, damit das Anschreiben nicht austauschbar wirkt.

Darf ich dieselbe Vorlage für mehrere Bewerbungen verwenden?

Eine Grundvorlage ist sinnvoll. Jede Bewerbung sollte jedoch an die jeweilige Stelle und das Unternehmen angepasst werden.

Was gehört nicht in ein Anschreiben?

Unnötige Wiederholungen aus dem Lebenslauf, private Details ohne Bezug zur Stelle und allgemeine Floskeln ohne Aussagekraft solltest du vermeiden.

Wird ein Anschreiben heute überhaupt noch gelesen?

Das hängt vom Unternehmen ab. Viele Personaler lesen Anschreiben weiterhin, insbesondere wenn mehrere Bewerber ähnliche Qualifikationen mitbringen.

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